SCHEMEN

"SCHEMEN" | R.J.Kirsch | Hochbunker Körnerstraße | Körnerstraße 101 | 2020

Shadows on the wall
Installation SCHEMEN,
LED, coloured foil, various materials, base, hot-melt adhesive, 5 x 4 m, 2018

Entsorgung der Nacht
Einige Bemerkungen zur der Installationsausstellung SCHEMEN des Kölner Konzeptkünstlers und Malers R.J.Kirsch im Hochbunker Körnerstraße, Köln


Wer die Ausstellung SCHEMEN des Kölner Künstlers R.J.Kirsch verlässt, trägt unter anderem ein merkwürdiges Nachbild in seiner Erinnerung, als habe er gerade eine Ausstellung mit mehreren Videoinstallationen besucht. Tatsächlich aber gibt es diese dort nicht, vielmehr wandelt der Besucher an mehreren wandfüllenden Schattenbildern vorbei. Rolf Kirsch arbeitet intensiv mit Schattenprojektionen. Schon früh setzt sich der Maler mit dem Verhältnis von Malerei und Medien auseinander, sucht Wege sich der Dominanz und der "Autorität" technischer, elektronischer und neuerdings auch digitaler Bildmedien zu entziehen. Schon früh findet er im Schatten auch ein Äquivalent zur Malerei, die formale Offenheit und Mehrdeutigkeit von Schatten lädt dazu ein, Malerei durch die Inszenierung von Schattenbildern zu „repräsentieren“. Und diese projiziert Kirsch mittels verschieden farbiger LED's, die durch ihre Punkförmigkeit erstaunlich scharfe Abbildungen ermöglichen, zum Teil auch direkt an die Wand. Doch wie sehr auch die Virtualität der Bilder den Betrachter zu verführen vermag, im Mittelpunkt der Installationen steht immer eine Skulptur, die der Künstler „Requisit“ nennt.
Betritt man also die Ausstellung, führt der Weg wie an einem unsichtbaren roten Faden gezogen in einer Art chronologischem Parcour an verschiedenen Stationen vorbei, die auch Entwicklungsschritte in der Arbeit des Künstlers darstellen. Von ersten storyboard-artigen Scribbles über immer ausladender werdende Aquarelle und den darauf folgenden Skulpturen, deren Schattenwurf in Folge die künstlerische Handschrift des Malers in den immateriellen Raum tragen, um gleichzeitig den materiellen Ursprung der Bilder ständig im Blick zu halten.

Zugegeben, Kirschs künstlerische Position ist ein Hybrid. Wer ein homogenes Werk im klassischen Sinn erwartet hatte, wird hier möglicherweise irritiert sein. Doch in der Vielgestaltigkeit der Arbeit finden sich ein ganze Reihe Bezügen in die "Klassik", z.B. der der Moderne.
Da ist zuerst sein malerischer Ansatz, der dem Informel, bzw. dem Abstrakten Expressionismus der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts verpflichtet ist. In seinen Serien von Aquarellen und Graphitzeichnungen nimmt er schon früh jenen abstrakten Bildraum vorweg, der sich als Schattenprojektion in Folge erst realisiert. Sein elektro-kinetischer Ansatz, die Positionierung von Projektionslichtern und die Bewegung seiner Skulpturen also nimmt Bezug auf den Licht-Raum-Modulator des Bauhaus-Künstlers Laszlo Moholy-Nagy, den er schon in seiner Jugendzeit ausgiebig im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum studieren konnte. Und Brian Enos legendäre Ausstellung in der Hamburger Markthalle 1986 gab dann dem Maler den entscheidenden Impuls, fortan die Möglichkeiten farbigen Lichts zu studieren. Seine Skulpturen die einzig ihrem Schattenwurf dienen, erscheinen wie eine Mischung aus den Schrottskulpturen Chamberlains und Tinguelys.
Die gesamte Werk strukturiert wie ein Filmprojekt, gegliedert in Scripts, Sequenzen, Layouts und „Color-Keys“ ist dann als Raum-Installation oder sollte man besser sagen als Raum-Illusion inszeniert: Schattenbilder, seinen kompositorischen Studien folgend direkt an die Wand projiziert, steigern seine Malerei ins Immaterielle, ohne aber ihren materiellen Hintergrund zu verleugnen. Es ist das Wechselspiel zwischen Illusion und Material, das die Spannung dieser Arbeit aufbaut.

Rolf Kirsch studiert an den Kölner Werkschulen bei Dank, Wewerka und Spoerrie, machte seinen Abschluss in Malerei 1991 bei Prof.Franz Dank. In den letzten Jahren war er vor allem durch Malerei-Serien unter dem Titel „Rhythmus der Statistik“ präsent, mit denen er in Crash-Szenarien die Grenzen moderner Technik thematisierte. Nicht weniger von der Faszination fragmentierter Formzusammenhänge bestimmt, erscheint nun sein Projekt „SCHEMEN“, das die Bonner Kunstnavigation in einer aktuellen Umsetzug im August/September 2020 im Kölner Hochbunker K101 präsentieren wird. Aus den Relikten zerbrochener Technik entsteht in den Schattenbildern seiner Skulpturen ein Panorama, das sich in sanften Drehungen seinen zerborstenen Ursprüngen entwindet. Begleitet werden diese Schattenprojektionen durch Serien von Zeichnungen und Aquarellen, die den Entstehungshintergrund nachvollziehbar werden lassen. Büro Blau.